So.. Jan. 11th, 2026

Ein Jugendlicher aus einem südamerikanischen Entwicklungsland sagte zu mir, dass wenn er so alt sei wie ich, er nicht so ein mittelmäßiges Leben führen möchte. (Er wollte erfolgreicher sein)

Ja, da stand ich dann. Mein Leben erscheint auf den ersten Blick mittelmäßig. Vielleicht sogar auf den zweiten, das liegt im Auge des Betrachters. Wenn ich auf die Straße schaue, sehe ich viele teure Autos. Sind diese Menschen erfolgreich? Als ich noch Bankerin war und (zusätzlich) die Privatkonten von einigen Geschäftskunden einsehen konnte, waren viele dieser teuren Auto geleast und der Fahrer gönnte sich tatsächlich nur diesen Luxus, weil es von ihm (oder er von sich selbst) erwartet wurde.

Ist jemand erfolgreich, wenn er in meinem Alter verheiratet ist, Kinder und ein eigenes Haus hat? Vielleicht sogar mit Hund? Viele würden ja sagen.

Ich bin mittlerweile umgezogen in meine eigene Wohnung. In einer der Kisten waren meine Handtaschen. Es waren fünf Stück, zusammen mehrere tausend Euro wert. Auch meine Business Kleidung habe ich gefunden. War ich damals erfolgreich? Ich hatte einen angesehenen Job, ein hohes Einkommen, Freunde oder Partner in ebensolchen Positionen mit „hohem Lifestyle“. Dummerweise war ich auch total unglücklich.

Das ist ganz schön blöd, wenn der offensichtliche Erfolg sich einfach nicht gut anfühlt. 

Als ich in Indien lebte, hatte ich „reiche“ Freunde. D.h. ich kannte die high society von Neu Delhi. Nicht, weil ich auch reich gewesen wäre, nicht einmal erfolgreich damals, sondern weil ich weiße Haut und blonde Haare habe. Entsprechend wurde ich positiv-diskriminiert oder upgegraded auf ein Level, das ich sonst nicht erreicht hätte. Also verkehrte ich in diesen Kreisen. Diese Inder waren steinreich. Meist nicht aus eigener Leistung heraus, sondern aus ererbtem Vermögen. Und sie waren unglücklich. Das „schöne“ Leben wurde nur für social media fotografiert, man lachte bis zum Klick und langweilte sich sofort danach. 

Wenn ich in der Hängematte meines Hostels in Kolumbien lag, war ich glücklich. Vollkommen alleine, aber absolut zufrieden und selbstvergessen. Dort hatte ich fast nichts! Hier in Deutschland bin ich nicht so glücklich. Es fühlt sich an, als läge mir eine unsichtbare Last auf den Schultern. Ein Druck, der sich in finanzieller Hinsicht besonders deutlich zeigt. Alles ist wahnwitzig teuer und jeder Fehler geht schmerzhaft ins Geld. Man schränkt seine Bewegungsfreiheit freiwillig ein, um unnötige Kosten zu vermeiden. 

Wenn ich darüber nachdenke, habe ich aktuell mehr, als ich auf Reisen hatte: eine eigene Wohnung, meine teuren Klamotten, Handtaschen und Schmuck. Aber dafür weder Freiheit noch Leichtigkeit. Nicht einmal mehr Sonne oder Wärme…

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